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Die Rübeländer Höhlenfestspiele im Wechsel der Zeiten
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Wolfgang Hase, ehemaliger Betriebsleiter |
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Wenn unseren Lesern heute der
Begriff Höhlenfestspiele begegnet, kommt ganz schnell die
Frage auf, was ist eigentlich gemeint damit, was
sind die Höhlenfestspiele überhaupt? Sind das die
Theateraufführungen in der Baumannshöhle, von denen
unsere Kinder in den Ferien immer begeistert waren - oder
ist etwas ganz anderes gemeint? Einige jüngere Menschen
wissen aus Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern und
Bekannten, dass in den 30iger Jahren dort im Goethesaal
der Baumannshöhle durch Rübeländer Einwohner ein
Theaterstück aufgeführt wurde, mit Elfen und Zwergen,
mit Köhlern und Fuhrleuten, mit Bergleuten, Waldarbeitern
und Kulturfrauen, eben allen Berufen, die es einmal in der
1.Hälfte des 16. Jahrhunderts hier im Harz gegeben hat. Die
Eltern und Großeltern wissen zu erzählen, dass das
Theaterstück von dem ehemaligen Höhlendirektor Bernhard
Lange geschrieben wurde und die Entdeckung der Baumannshöhle
beinhaltet. Die Eltern oder Großeltern haben möglicher
Weise selbst mitgespielt, oder im begleitenden Chor alte
Harzlieder gesungen. Die Eltern oder Großeltern werden
berichtet haben, dass mit Beginn des 2.Weltkrieges
notgedrungen diese Höhlenfestspiele abgesetzt werden
mussten, da viele der Mitspieler an einen anderen Ort
spielen mussten, von denen viele nicht zurück kamen. |
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Sie werden aber auch berichtet
haben, dass man nach dem Kriege wieder begonnen hatte,
diese Höhlenfestspiele aufzuführen. Das aber einigen
Parteifunktionären dieses Spiel ein Dorn im Auge war, da
eben der Aufbau des Sozialismus in diesem Heimatstück
nicht vorkam. Immer neue geforderte Veränderungen am
Drehbuch brachten die Spiele dann auch 1961 zum Absturz.
Den Titel Höhlenfestspiele tragen zu Recht nur die Aufführungen
zwischen 1933 und 1939 so wie die Aufführungen 1952. Die
Aufführungen zwischen 1953 und 1961 tragen die
Bezeichnung Höhlenspiele. Alle anderen hier in der
Baumannshöhle aufgeführten Theaterstücke waren eben Höhlentheater
in der Baumannshöhle - weiter nichts. Auch die 1997 durch
ein Unternehmen inszenierten Aufführungen trugen fälschlicherweise
die Bezeichnung Höhlenfestspiele und waren mit nur ganz
wenigen Besuchern ein Flop. Damit diese, unsere Höhlenfestspiele,
die unter Mitwirkung vieler Rübeländer Einwohner einmal
entstanden sind, als Rübeländer Heimatstück in der
Erinnerung wach gehalten werden, mit den Hintergedanken,
dass sich vielleicht doch noch einmal eine
Spielgemeinschaft für die Rübeländer Höhlenfestspiele
gründet, habe ich neben meinen eigenen Kenntnissen und
Erlebnissen um die Höhlenfestspiele alles mögliche
zusammengetragen und möchte es der Öffentlichkeit zur
Kenntnis bringen. |
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Für Leser, die nicht aus Rübeland
und Umgebung kommen, muss zum besseren Verständnis gesagt
werden, dass die Höhlenfestspiele nicht auf der Bühne
eines Theaters oder auf einer Freilichtbühne, ähnlich
dem Harzer Bergtheater auf dem Hexentanzplatz aufgeführt
werden, sondern tief im Inneren der Erde, auf den Bühnen
des Goethesaales in der Baumannshöhle - der einzigen
Naturbühne Deutschlands im Schoße der Erde. |
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Der Festspielbesucher betritt
den Ort des Geschehens nicht wie er es von anderen
Festspielen gewohnt ist durch ein festlich
beleuchtetes Vestibül in eleganter Abendkleidung, um nach
Abgabe der Garderobe, die Frisur, oder den Sitz des
Binders zu prüfen - um dann auf einen gepolsterten Stuhl
oder Sessel Platz zu nehmen, dann die geschulten Akteure
auf der Bühne zu betrachten, die ihre gelernte Kunst dem
Publikum darbieten. Hier bei uns erwartet den
Festspielbesucher ein etwas anderes Theater. Bei diesem
Festspiel benötigt der Besucher keine elegante
Abendgarderobe, für die Damen mit Stöckelabsätzen wird
der Gang zum Zuschauerraum recht beschwerlich. Es wird
festes Schuhwerk erforderlich, eine warme Jacke und Hose.
Gut beraten ist jeder, der noch eine Wolldecke dabei hat
oder auch ein Sitzkissen. Unser Zuschauerraum hat bei
einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100 % eine Temperatur
von 8°C. Wir haben keine gepolsterten Stühle sondern
einfache Bänke, auf der der Besucher Platznehmen wird.
Der Theatervorhang wird durch die Dunkelheit im Inneren
der Berge, Kulisse und Dekoration werden durch die
wunderschöne Natur der Felsen, Sinter und Tropfsteine
ersetzt. Die Schauspieler haben mit denen anderer Theater
der großen Welt nur eines gemeinsam, die Schminke
und die Kostüme. Es sind einfache Menschen aller
Berufsgruppen, die so stark mit ihrer Heimat, dem Harz und
Rübeland verwurzelt sind, dass nur sie spielen können,
was ihre Vorfahren vor mehr als 450 Jahren vorlebten: Die
Liebe und die Verbundenheit zur Heimat. Sie haben keine
Sprachschule oder Schauspielschule besucht. Sie sprechen,
zwar verständlich, ihr Dialekt mit dem klaren
"A" der Bode - Mundart "Mit baden Banen in
anen Amer". Ihre Namen sind in keinem Programm zu
finden, eine große Bescheidenheit zeichnet dieses
Menschenschlag aus. |
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Das ist das Milieu, dass einem
auf dieser wunderschönen, einzigartigen Naturbühne unter
der Erdoberfläche umgibt. Hier haben sich schon
Berufsschauspieler und Künstler versucht, mussten sich
aber diesem unwirtlichen Höhlenklima beugen. Sie stellten
Forderungen auf um irgendwie Verhältnisse zu erreichen
wie in ihren festen Häusern. Diese aber konnte niemand
erfüllen und so gaben sie auf. Das natürliche Bühnenbild
der sagenhaften Baumannshöhle und die ungekünstelten,
natürlichen Menschen auf der Bühne, werden zu einem
eindrucksvollen Erlebnis. Wie sie das 16. Jahrhundert fand
- so sind sie noch heute, die Menschen vom Rauhen Land.
Als man in 1933 aus dem Spielmannszug der Höhle eine
kleine Laienspieltheatergruppe bildete, ahnte noch
niemand, dass diese Gruppe vergrößert auf 80 Mitspieler
ab 1937 einmal die Entdeckungsgeschichte der Baumannshöhle
spielen, das Spiel zur Tradition werden würde und jährlich
wiederholt werden sollte. Einwohner aller Berufsgruppen
aus Rübeland, die tagsüber schwere körperliche Arbeit
im Steinbruch oder untertage in den Bergbaubetrieben oder
als Waldarbeiter leisteten, fanden sich neben Handwerkern,
Angestellten, Gewerbetreibenden sowie auch Hausfrauen und
Kinder zu einer Spielgemeinschaft zusammen. |
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Es kann gar nicht hoch genug
bewertet werden, wenn sie ihre wenige freie Zeit für die
doch recht anstrengenden Proben und Aufführungen in dem
unwirtlichen Klima der Höhle opferten. Alle waren
begeistert von ihrer schönen Aufgabe, einen
Einblick in das Bilderbuch ihrer Geschichte zu geben. Es
waren 80 Personen mit ebensoviel Interessen und
Verpflichtungen, die die Spielleitung koordinieren musste.
Oft waren Darsteller von größeren Rollen beruflich
verhindert, kamen verspätet von einer Dienstreise zurück,
hatten das rote Harzrind noch zu versorgen oder mussten,
weil ein Gewitter am Himmel stand, noch ein Fuder
Heu von der Wiese holen. Krankheiten von Hauptdarstellern
mussten ausgeglichen werden, jemand anderes lag mit einer
Schweren Erkältung im Bett. Pflichtbewusstsein war ein
eisernes Gebot. Rosi Wieckert (heute Frau Zetschok)
stand mit 40° Fieber auf der Bühne und musste völlig
erschöpft nach Hause gebracht werden. Jahrelang haben die
Mitspieler auf einen Sommerurlaub verzichten müssen. Der
Erfolg der Rübeländer Höhlenfestspiele war groß - der
Aufstieg steil ! Aber auch Rückschläge, oder eben ein
schwerer Beginn, musste auch diese Gemeinschaft meistern.
Im Juli 1933 begann man mit dem kleinen Stück
"Berggeist erwache". Das Stück enthielt viele
Prologe und Musik (von der Kapelle Ehrenhard gespielt). 60
Laienspieler und 14 Musiker standen auf der Bühne. Die 1.
Vorstellung war mit 16 Gästen im Saal ein glatter
Reinfall. Man begann mit einer groß angelegten,
wirkungsvollen Werbung für die Höhlenfestspiele.
Herr Dieter Schulte - Overbeck, der von Anbeginn an den
Berggeist spielte, ging im Berggeistkostüm mit als Zwerge
verkleideten Schulkindern auf Werbetour bis nach
Braunschweig und Hannover. Für viele der Mitspieler
unvergessen, das mitgeführte große Trichtergrammophon.
Die Werbung hatte Erfolg und brachte eine große Anzahl
Besucher nach Rübeland. |
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Im zweiten Jahr, 1934, wurde das Stück gewechselt.
gewechselt. Auf dem Programm stand das Stück: "Heimat
im Berge". Der Erfolg übertraf den des Vorjahres. Es
zeigte sich, dass der Zuschauerraum vergrößert werden
musste. Die Freiwillige Feuerwehr Rübeland bot Hilfe an,
so entstand in den Jahren 1935 1936 der heutige
Zuschauerraum, nachdem die riesigen Felsblöcke des
Tanzsaales zerkleinert und weggeräumt wurden. Die beiden
Bühnen und der kleine See entstanden in der heutigen
Form. Der Rübeländer Höhlenführer Rudolf Freygang, der
im Hauptberuf Modelleur gewesen war, schuf die natürlichen
Kulissen der Bühnen. So erkennen Besucher heute nur mit
geübte Auge den Unterschied zwischen dem, was von der
Natur geschaffen wurde, und dem, was die geschickten Hände
des Rudolf Freygang neu als Bühnendekoration geformt
haben. |
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Nach der Umgestaltung von Saal und Bühnen wurde
1936 ein neues Bühnenstück in der Baumannshöhle aufgeführt
"ROVELAND". Das Ergebnis konnte nicht
befriedigen, brachte nicht den erhofften Erfolg. |
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Hier an dieser Stelle muss angemerkt werden, dass
der Bau des Freibades kurz vor der Fertigstellung stand,
die Gemeindekasse aber völlig leer war. Kredite für den
Bau der neuen Empfangshalle der Baumannshöhle und des
Eingangsstollens mussten abgetragen werden. Die
Laienspielgruppe sollte mit einen neuen, von Bernhard
Lange geschriebenen Stück "Die vom rauhen
Lande" das erforderliche Kapital einspielen. Das
Experiment gelang, so konnte die Laienspielgruppe der
Gemeinde Rübeland eine große finanzielle Last der
Badfinanzierung abnehmen und vielen minderbemittelten Rübeländer
Einwohnern eine materielle Unterstützung zukommen lassen. |
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Mit dem neuen Stück, "Die rauhen vom
Lande", begann die noch heute bekannte Ära der Höhlenfestspiele.
Die Uraufführung dieses Stückes konnte nach vielen
Proben im Juni 1937 erfolgen. Im neu gestalteten
Zuschauersaal fanden 1000 Personen einen Sitzplatz. Für
die aus Dänemark angereisten Zuschauer (sie fehlten bei
keiner Veranstaltung) wurde sogar eine Loge gebaut, heute
noch als Dänen-Loge bezeichnet. Der Zuspruch war so groß,
dass oftmals am Abend eine weitere Nachtvorstellung
gegeben werden musste. Besucher die trotzdem keinen Platz
im Saal fanden, wurde eine kostenlose Besucherführung in
der Hermannshöhle gewährt, damit die Anreise nach Rübeland
nicht ganz umsonst gewesen war. Diese Laienschauspieler
spielten ihre Rollen mit großer Hingabe, lebensnah wie im
tatsächlichen Leben. Diese Höhlenfestspiele wurden dank
einer überzeugenden Werbung durch die Direktion der
Tropfsteinhöhlen in ganz Deutschland berühmt. Das dem so
war, bewiesen Anfragen und Briefe mit der Bitte um
Zusendung möglicher Postkarten von diesen Höhlenfestspielen
an die Betriebsleitung der Rübeländer Tropfsteinhöhlen
in den 70ger Jahren und auch während meiner Dienstzeit in
den 80iger Jahren aus vielen Teilen Deutschlands. Leider
mussten solche Briefe aus der alten BRD dem Kreis
Wernigerode, Abtg. Inneres, zugestellt werden und sind
somit für das Archiv der Höhle verloren gegangen. Im
Herbst 1939 wurde die 75ste Vorstellung und damit vorerst
die letzte gegeben. Während dieser 75 Vorstellungen
konnten weit über 70.000 Personen gezählt werden.
Statistisch gesehen waren die einzelnen Vorstellungen mit
je 933 Höhlenfestspielbesucher sehr gut besucht. |
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Angaben über die Einnahmen und Ausgaben während
dieser ersten Spielperiode von 1933 bis 1939, den
abgeführten Gewinn an die Gemeindekasse oder Jahresabschlüsse
der Spielgemeinschaft sind mir nicht bekannt geworden, ich
konnte auch den Verbleib der Unterlagen nicht klären. Bei
einen Eintrittspreis von 1,00 RM / 2,00 RM und 70.000
Festspielbesucher werden 1939 die geschätzten
Bruttoeinnahmen bei etwa 120.000 RM gelegen haben. An
dieser Stelle muss etwas zur Organisation der Spiele
gesagt werden. Höhlendirektor Bernhard Lange war
der Autor dieses Volksstückes, er war auch der
Spielleiter der 80 Personen - Gruppe, war auch Geschäftsführer
und der Vorsitzende des Vereins. Die Rübeländer Bürger
wollten mit diesem Spiel einen Mann gedenken, der vor über
400 Jahren den Mut aufbrachte, in das als Geisterloch
bekannte Mundloch oben an der Nordseite des Talhanges
einzusteigen, damit die ersten Tropfsteine auffand und dem
Ort eine Erwerbsquelle für alle Zeiten erschloss. |
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